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Amsterdams Kreativ-Hubs


Als Handelsumschlagplatz zog Amsterdam bereits im 15.Jahrhundert Weltenbummler und Händler aus aller Welt an. Auf Offenheit und Multikulturalität setzt man bis heute, Amsterdam gilt weltweit als Symbol einer außergewöhnlichen Stadtentwicklungspolitik, und als Mekka für alternative Lebensmodelle und Freiräume. Bis vor kurzem wurde beispielsweise das andernorts illegale Inbesitznehmen von Häusern geduldet, 1980 gab es alleine in Amsterdam 20.000 Hausbesetzer, heute sind es noch rund 300. Aus einer solchen Inbesitznahme ist die derzeit größte Brutstätte für Kunst und Kreativwirtschaft entstanden, die „Kunststad“, das Herzstück der ehemaligen NDSM-Schiffswerft, gelegen im Amsterdamer Norden.
Das Areal umfasst rund 86.000m2, wovon die Hallen rund 20.000m2 einnehmen. Sie sind allesamt von Vertretern der Kreativwirtschaft in Beschlag genommen: Architekten, Designer, Multimedia-Spezialisten, bildende Künstler, Musiker, Filmemacher, Theaterproduzenten. Doris Rothauer hat darüber im Standard im November 2009 einen ausführlichen Bericht gestaltet, der auf diesem Blog weiter unten („Amsterdams Kunststad“, Label Kreativwirtschaft) nachzulesen ist.
Die Stadtpolitik trägt aber nicht nur „passiv“, sondern auch aktiv zur Entwicklung der Kreativität bei: Etwa mit dem Bureau Broedplaatsen, auf deutsch „Büro für Brutstätten“ ,  das erschwingliche Wohn- und Arbeitsräume durch die Adaption leerstehender Areale für Kulturschaffende zur Verfügung stellt. Bis dato sind in rund 40 vorwiegend älteren Gebäuden der Stadt 1250 Räumen entstanden, in denen an die 2000 Künstler, kleine Kreativbetriebe und Handwerker arbeiten und zum Teil auch wohnen. Sie sind im Stadtbild nicht zu übersehen und tragen maßgeblich zum kreativen Flair bei.
Die jüngste Ergänzung und eines der schicksten Hubs ist das neue Westerhuis des Designers Marcel Wanders, eine altes Schulgebäude aus dem Jahr 1867. Wanders hat das Haus zusammen mit einem Immobilienentwickler komplett renoviert und auf 5.500m2 Kreativstudios geschaffen – ein „Flagship for Art and Cultural Enterprise“, wie er selber sagt. Seinen Designstempel hat er vom Eingang über das Stiegenhaus bis in die einzelnen Büroeinheiten durchgezogen, wie etwa die floral-barocken Tapeten in Gelb und Weinrot, die riesigen Luster in beeindruckender Quantität oder der kleinteilige bunte Mosaikboden in den Gängen. Eine ganze Etage ist seinem eigenen Studio vorbehalten; im Erdgeschoß, dem einzigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereich, befindet sich die Moooi Gallery, Wanders neues Label und Design Store. 
    

Amsterdams Kunststad


Das mächtige Eisentor der ehemaligen Werfthalle, ein Backsteinbau aus der Blütezeit der Industrialisierung, geht knarrend auf und eröffnet ein skurriles Szenario: Hunderte containerartige Raumeinheiten, aus Stahlblech, Presspanplatten oder Rigipswänden gebaut, bunt lackiert, beklebt, besprayt, minimalistisch bis utopistisch anmutend, jede für sich ein Unikat. Wie von Kinderhand in der 20 Meter hohen Halle kreuz und quer dahin gestreut, übereinander gestapelt, von der Decke abgehängt. Dazwischen ausgemistete Couchen, Camping-Kocher, gestapelte Bau- und Arbeitsmaterialien, ein Hometrainer, eine Waschmaschine, ein gelber VW-Transporter, eine Kunst-Installation aus alten Lampenschirmen.  Zusammen bilden sie die „Kunststad“, der derzeit größten kulturellen Brutstätte der Niederlande. Gelegen im Amsterdamer Norden, getrennt von der historischen Altstadt durch den Fluß IJ, umfasst das gesamte Areal der 1984 in Konkurs gegangenen NDSM-Schiffswerft rund 86.000m2, wovon die Hallen rund 20.000m2 einnehmen. Sie sind allesamt von Vertretern der sogenannten „Kreativwirtschaft“ in Beschlag genommen: Architekten, Designer, Multimedia-Spezialisten, bildende Künstler, Musiker, Filmemacher, Theaterproduzenten.
In der Kunststad wird gearbeitet, Partys gefeiert und Aktionstheater gemacht. Überall finden sich Plakate und Flyer mit den neuesten Events. Kinder skaten und fahren Rad in den „Straßen“, Besprechungen werden beim selbstgekochten lunch im „Freien“ gehalten, auf den vielzähligen Freiflächen unter der beeindruckenden Glas- und Stahlkonstruktion des Daches der Halle.
Hervorgegangen ist die Kunststad aus dem Zusammenschluss von Hausbesetzern, die Mitte der Achtziger Jahre die brachliegenden Hallen in Beschlag nahmen, geduldet von den lokalen Behörden und der Stadtregierung. „Kinetisch Noord“, der daraus entstandene Verein, ist 1999 als Gewinner eines von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerbes zur Entwicklung des Areals hervorgegangen mit dem Konzept einer auf kollektiver und partizipatorischer Basis organisierten Kreativnutzung durch Künstler und Kulturunternehmer. Stadtentwicklung von unten, die Amsterdam zu einem der kreativsten Orte der Welt macht.